Bausünden nach SOKO Altstadt

Aus Baugeschichte
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Leserbrief an die Kleine Zeitung, abgedruckt am 29.3.2013: Sehr geehrter Herr Mag. Hecke! In Ihrer heutigen Ausgabe ist an zwei Stellen die Grazer Altstadt das Thema. Im Interview mit Bürgermeister Nagl fragten Sie ihn: „Zehn Jahre Rückspiegel. Was ist Ihnen gelungen?“. Antwort Nagl: „Dass die Altstadt so dasteht, wie sie jetzt dasteht.“ Diese überraschende Aussage – noch dazu als erste genannt – stellt sich aus Sicht vieler Grazer jedoch völlig konträr dar, als der Bürgermeister glauben lassen möchte. Altstadt und Altbauten in den Außenbezirken waren noch nie so gefährdet, wie in den letzten 10 Jahren. In unseliger Koalition mit Stadtbaudirektion, Stadtplanung, Baubehörde, Altstadtkommission und Denkmalamt hat die Stadt ihrem Bauerbe den nötigen Schutz verweigert. Ein „Runder Tisch“, im Oktober 2010 nach den skandalösen Abbruch des Castellhofes auf Druck der Bürger einberufen, hat außer vielen Versprechungen keinerlei Umdenken bewirkt. Ohne Wimperzucken wird heute dem Druck der Investoren mit zunehmender Willfährigkeit nachgegeben und dem erhaltenswerten Baubestand schwerer Schaden zugefügt. Schlag um Schlag verliert die schöne Stadt wertvolle Substanz und damit ihr Gesicht.

[Nicht abgedruckter Teil: Proteste der Bürger werden abgeschmettert, der Profit ist das Maß aller Dinge. Die bedenklichen Folgen der rücksichtslosen Nachverdichtung werden einfach ignoriert. Graz ist seit Ende 1999 Weltkulturerbe - ein Verdienst früherer Generationen. Und heute? Allein wegen des Dachausbaues von Kastner&Öhler ist das Prädikat ernsthaft in Gefahr. Schon heute machen Touristen keine Fotos mehr, die vom Schloßberg aus die Dachlandschaft zeigen, bei Filmausnahmen schwenkt die Kamera dezent weg. Aber für Nagl zählt ja nur der Ausblick von der Kastner-Terrasse. Wenn er aber noch bis 2015 zuwarten will, bis das Dach auftragsgemäß seine Bronzetönung erhalten wird, dann wird die UNESCO der Stadt Graz den Titel aberkennen - und das zu Recht. Wir haben hier die schwerwiegendsten Altstadt-Sünden der letzten 10 Jahre aufgelistet – es sind 50! In www.grazerbe.at kann man das im Detail nachprüfen. Mit schönen Grüßen, Dipl. Dolm. Peter Laukhardt, SOKO Altstadt, www.grazerbe.at]

Seit 2000 waren folgende schwerwiegende nachteilige Eingriffe in die Bausubstanz der Stadt zu registrieren: 2003: Abbruch Kommodhaus, Burggasse 15; 2004: Abbruch Freskenhaus, Grüne Gasse 35; Abbruch Altstadthaus Lendplatz 45, Abbruch Kreuzwirt, Eckertstraße 2; 2005: Abbruch Ranzmayerhof, Alte Poststraße 196; Abbruch Vorstadthaus Fellingergasse 12; 2006: Abbruch Altstadthaus Lendkai 25; Schließung des Pammerbades, St.-Peter-Pfarrweg 7; 2007: denkmalgerechte Umgestaltung Schloßberg, Löwengrube, Zerstörung des ehem. botanischen Gartens in der Kalchberggasse, Joanneumsgarten; 2008: Abbruch altes Konsumhaus, Lendplatz 31; Abbruch Backhaus Klement, Petersgasse 106; 2009: Abbruch Gasthof Schwarz, Kärntner Straße 418; Betonkasten Schloßberg, Freilichtbühne; Verbau der Gartenanlage der Villa Hartenau, Leechgasse 52; 2010: Abbruch Castellhof, Adolf-Kolping-Gasse 14; Monsterbau im Villenviertel, Muchargasse 18; Freigabe des Altbestand durch den Bebauungsplan Lange Gasse, Körösistraße 30; Verunstaltung eines Altstadthofes, Sackstraße 28; 2011: Bausünde in der Welterbezone hinter Schloss Eggenberg, Baiernstraße 44; Abbruch des historischen Mustralhofes, Am Damm 53; Verunstaltung der Umgebung des Moserhofschlössls, Münzgrabenstraße 94; unmaßstäbliche Baugenehmigung in der Hugo-Schuchardt-Straße 26; Verunstaltung der Dachlandschaft bei Kastner&Öhler, Sackstraße 13; Verunstaltung der Dachlandschaft Karmeliterplatz 2; Abbruch Wasserwerk (Entwurf: Eichholzer), Körösistraße 29; Abbruch Hubertusschlössl, Panoramagasse 85; Abbruch Gründerzeithaus, Brockmanngasse 25; unmaßstäblicher Neubau neben Denkmal, Körösistraße 46; Bebauungsplan für Oeverseegasse Lazarettgasse 23 hebelt Denkmalschutz aus; 2012: Abbruch der Bezirksamts-Villa Mariatroster Straße 186; Abbruch Kellerstöckl, Kehlbergstraße 104; Abbruch Villa Alkier, Hilmteichstraße 10; Solardach Franziskanerkloster; Monsterbau Rosenberggasse 2; Verunstaltung der historischen Cottone-Druckerei, Josefigasse 73; Betonklotz am Eingang zum Villenviertel Ruckerlberg, Hallerschloßstraße 1; Abbruch der Villa Raith im Welterbe-Korridor, Eggenberger Allee 33, Abbruch der Villa Elisabeth, Grabenstraße 43; Abbruch St.-Peter-Hauptstraße 40 („verschobene Schutzzone“); Abbruch Eichholzer-Haus, Ulrichsweg 32; Bauvorhaben Carnerigasse ohne Bebauungsplan; Entfernung eines historischen Zaunes in der Bergmanngasse 25, Abbruch des Rampenhauses Peter-Rosegger-Straße 36; 2013 Wohnklotz im Park des denkmalgeschützten Freihauses, Grabenstraße 56; hässliche Verbauung des Pfauengartens, Karmeliterplatz 4a; Abbruch Froschkönig-Villa, Auersperggasse 17 und Ersatz durch einen überdimensionierten Bauklotz, Abbruch der Villa Schreiner, Triester Straße 287, Erzherzog-Johann-Haus, Stiftingtalstraße 340. In Kürze Zerstörung des Dorfkerns, Waltendorfer Hauptstraße 31. 2017 noch immer nicht saniert: Girardihaus, Leonhardstraße 28; Kaiser-Franz-Josef-Kai 36; Panoramahof, Panoramagasse 95; Hüttenbrennerhaus, Grabenstraße 136; 2017 aktuell gefährdet: Flossmeisterhaus, Schiffgasse 3, altes Schmiedehaus Schörgelgasse 6, der "genius loci" des Brauhausgeländes Reininghausstraße 1 - 7.

Aktualisiert am 7.5.2017