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Aus Baugeschichte
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Ein stiller (Villen-)Tod

Zum Bericht "Abrissgefahr für alte Villa": Mit dem offenbar schon genehmigten Abbruch der Villa Rudolfstraße 25 geht ein für den ganzen Ruckerlberg identitätsstiftendes Bauwerk verloren. Die an ein kleines Landschlösschen erinnernde Villa prägt diesen Teil des Ruckerlberges wie kaum eine andere Villa. Es ist traurig, dass Altstadtkommission, Baubehörde, Denkmalamt, Baudirektion, Stadtplanungsamt und Politik scheinbar nicht in der Lage sind oder kein Interesse haben, der von zahlungskräftigen Investoren vorangetriebenen, immer rascher fortschreitenden Zerstörung der charakteristischen Villenarchitektur am Ruckerlberg und in anderen Grazer Villenvierteln Einhalt zu gebieten. Es geht nicht darum, Neubauten zu verhindern, aber nicht zum Preis der unwiderruflichen Zerstörung der vorwiegend qualitätsvollen charakteristischen Altbausubstanz. Ein gefällter Baum kann immerhin in wenigen Jahrzehnten nachwachsen, ein abgebrochenes Gebäude bleibt unwiederbringlich verloren. Das historische architektonische Erbe ist ein hohes Gut - wir sind in der Kulturhauptstadt Graz dabei, es nachhaltig zu zerstören.

Friedrich Bouvier, Landeskonservator für Steiermark i. R., Graz

("Der Grazer", 19. Februar 2017, S. 14).