Mariatroster Straße 163

From Baugeschichte

Österreich » Steiermark » Graz » 8044

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47° 5' 59.75" N, 15° 28' 5.27" E


Schloss St. Johann

Oberhalb des Mariatroster Tales blickt ein großer Bau über das Land: das Schloss St. Johann mit seiner bemerkenswert gut erhaltene Bausubstanz. Der Blick des von Westen Ankommenden auf die mit Steinvasen geschmücke Freitreppe ist eindrucksvoll, die anderen Hausfronten sind in schönem Biedermeier-Stil erhalten. Das Schloss umgibt ein großer Park - der sogar in einem Buch über historische Gärten Österreichs erwähnt wird - mit einem unter Naturschutz stehenden Mammutbaum; neben diesem führt ein Fußweg hinunter zu einer Stichstraße der Mariatroster Straße.

St. Johann hat keine weit zurückgehende Geschichte zu erzählen wie etwas das benachbarte Schloss St. Josef, kann aber doch auf wechselvolle Epochen verweisen. Der 2015 durch einen gediegenen Dachausbau öffentlich bekannt gewordene Bau stammt zwar aus der Mitte des 19. Jhs (1850/55), aber ein Vorgängerbau ist schon auf der Riedkarte des Franzizeischen Katasters von 1825/29 zu sehen. Die drei Teiche (bis in die 1960er Jahre als Bad "Edenbad" (1939) und "Peperlbad" genutzt, werden ebenso zur Herrschaft gehört haben, wie das tief unten an der Straße stehende Gasthaus Mariatroster Straße 181; noch 1909 wird es als Gastwirtschaft und Meierei St. Johann bezeichnet. Friedrich (Fritz) Ritter von Jenny hatte am 7. Juli 1886 diese Realität gekauft und eigene Erzeugnisse an die zahlreichenden Wanderer verabreicht. Ob er auch Besitzer des Schlosses war, konnte noch nicht festgestellt werden.

Die "Neue musikalische Presse: Zeitschrift für Musik, Theater, ..." schrieb 1898: Frau Friedrich-Materna verlässt Ende dieses Monats Wien und übersiedelt in das von ihr angekaufte Schloss St. Johann bei Graz. Die Künstlerin wird dort fortfahren ...; 1902 ... mußte vor wenigen Tagen auf ihrem sonst so stillen Schloß St. Johann bei Graz eine recht eigentümliche Gesellschaft empfangen , das heißt , sie verzichtete darauf , als Herrin des Walkürenschlosses die Honneurs des Hauses zu .... Diese Berichtsauszüge handeln von Amalie Materna, später Friedrich-Materna (geb. 1844 in Sankt Georgen an der Stiefing, gest. 18. Jänner 1918 in Wien); sie erlangte in den 1880er Jahren Berühmtheit, trat sogar in Boston auf, war langjähriges Ensemblemitglied, später Kammersängerin der Wiener Hofoper und sowohl für ihre kraftvolle Stimme, als auch ihr jugendliches Timbre berühmt. Strobls Föllinger Adressbuch von 1902 nennt sie noch als Besitzerin.

1927 werden als Besitzer des Schlosses St. Johann die Familie Neugebauer und auch Fritz Langhammer, Major a. D, genannt, 1938 und 1944 gehört es Frau Amalie Langhammer; damals ist es aber auch eine Einrichtung der NS-Verwaltung (Gauschule Schloß St. Johann, damals „Dorothea Zeiringer“). Auf dem Plan "Groß-Graz" von 1939 liest man "Villa Greiner". Der Bau eines Luftschutzstollens bei der Tramway-Haltestelle St. Johann wurde zwar begonnen, aber nicht fertiggestellt. Er sollte besonders der Belegschaft des Kriegsdienst-Maidenlagers VI (Schloß St. Johann) in Kroisbach Schutz vor den Bomben bieten.

Im Schloss St. Johann wurde dann 1949 ein Heim für sozial benachteiligt Mädchen eingerichtet. Da die Anlage des Heimes dort nicht zweckmäßig war, kaufte das Land Steiermark den Blümelhof in der Nähe von Mariatrost an (Blümelhofweg 10. Das Schloss wurde nun im Landeseigentum für Wohnungen genutzt.

Das Schloss St. Johann steht zwar nicht unter Denkmalschutz, wurde aber 1993 dennoch unter Beobachtung des Denkmalamtes einer Generalsanierung unterzogen, die Fenstertausch, Putzergänzungen, Färbelungskonzepte und Trockenlegungsmaßnahmen beinhalteten. Einige der Wohnungen wurden an Private verkauft.

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